„Das Vergangene ist nicht tot. Es ist nicht einmal vergangen.“ Diese Worte des amerikanischen Schriftstellers William Faulkner könnten jedem Flaneur in den Sinn kommen, der durch eine historische Altstadt spaziert. Fachwerkhäuser haben eine spezifische Ausstrahlung. Sie erinnern an das Vergangene und zeugen zugleich von einer Schönheit und Kraft, die bis in die Gegenwart dauert. Da wundert es kaum, dass sich manch einer wünscht, selbst ein Haus dieser Art zu bewohnen. Ein besonderer Traum, der sich durchaus realisieren lässt. Wer sich ernsthaft damit beschäftigt, muss allerdings auf ein paar Gesichtspunkte achten.

Das Besondere eines Fachwerkhauses

Jeder Laie erkennt auf den ersten Blick die Besonderheit eines Fachwerkhauses. Das Gebälk steht im Mittelpunkt des Betrachters. Die Handwerkskunst des Mittelalters lässt grüßen. Wer genauer hinschaut, erkennt zudem die meist geschnitzten Kunstformen, die aus den gewöhnlichen Holzbalken besondere Schmuckstücke machen. Beliebte Verzierungen, die keine Auswirkungen auf die Statik hatten, waren unter anderem Andreaskreuz, Diamantband und Inschriften.

Oft bezogen sich die Schnitzereien direkt auf den Erbauer des Hauses. Die außergewöhnliche Skelettkonstruktion des Gebälks zählt zu den Auffälligkeiten eines Fachwerkbaues. Die damaligen Baumeister verwendeten hierzu Tannenholzbalken. Das Holz ist witterungsbeständig und widersteht Fäulnis. Voraussetzung dafür ist eine Bearbeitung mit Holzschutz. Gefache, Lehmbewurf sowie die Ausfachung mit Steinen komplettierten damals in der Regel das Fachwerkhaus.

Nostalgie und Moderne

Nostalgie spielt ebenfalls eine Rolle beim Bau eines Fachwerkhauses. Das schließt nicht aus, dass sich historische Baukunst mit modernem Architekturwissen verbinden lässt. Ein modernes Fachwerkhaus wird in Holzrahmenbauweise errichtet. Niemand muss auf den gewohnten Komfort verzichten.

Ein Zimmermann, der im Mittelalter auch der Baumeister war, fertigt einen sogenannten Aufriss auf einem Holzboden. Die Verwendung von CAD-Programmen und ein Modell zählen ebenfalls zu den vorbereitenden Aufgaben für den Hausbau. Leider sind in der Gegenwart nur noch wenige Fachkräfte zu finden, die sich auf den Bau eines Fachwerkhauses verstehen. Wer sich auf die Suche begibt, wird dennoch fündig werden. Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass ein Fachwerkhaus trotz moderner Kenntnisse nicht ganz an die Energieeffizienz heutiger Häuser heranreicht.

Wie muss heutzutage ein Fachwerkhaus errichtet werden?

Wie bereits erwähnt, gibt es nur noch wenige Fachkräfte, die sich auf diese Baukunst verstehen. Außerdem nimmt der Bau im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise viel Zeit in Anspruch. Die Beschaffung der notwendigen Rohstoffe kann ebenfalls für den Bauherrn zum Problem werden. Das beginnt bei den Baumstämmen. Eiche oder Tanne müssen eine gewisse Qualität haben. Die notwendige Länge muss ebenfalls gewährleistet sein. Meist wird das Material aus Skandinavien geliefert.

Für die Verwendung müssen die Balken speziell vorbereitet werden. Es lässt sich also leicht ausrechnen, dass auf den Bauherrn hohe Materialkosten zukommen, die zu den Personalkosten hinzugerechnet werden müssen. Unterm Strich ist der Bau eines Fachwerkhauses auf traditionelle Weise mit hohen Kosten verbunden. Daher hat es sich durchgesetzt, Fachwerkhäuser in Holzrahmenbauweise zu errichten. Dieses vorgefertigte Fachwerk wird nach den gewünschten Maßen hergestellt und geliefert. Außerdem sind die Wände bereits innen gedämmt. Das bedeutet für den Bauherrn, dass die Energieeffizienz des Hauses gewährleistet ist. Die moderne Bauweise der traditionellen Häuser bringt es auch mit sich, dass die Räume nicht so düster wirken wie die Originale aus dem Mittelalter.

Kaufen und renovieren?

Eine Alternative zum Hausbau ist der Hauskauf. Wo heute noch Fachwerkhäuser zu finden sind, stehen etliche davon auch zum Erwerb. Ein Kauf fällt günstiger aus. Zu berücksichtigen sind allerdings die Renovierungskosten, die abhängig vom Zustand des Hauses recht unterschiedlich sein können. Die Sanierung eines Fachwerkhauses kann hohe Kosten verursachen. Das hängt nicht zuletzt mit den Vorgaben der jeweiligen Gemeinde zusammen. Ein Fachwerk soll optisch in das Gesamtbild passen. Des Weiteren gilt es zu bedenken, dass der Wohnkomfort eines historischen Fachwerkhauses nicht vergleichbar mit modernen Gebäuden ist.

Die Zimmer sind relativ klein. Wer eine Vergrößerung wünscht, muss unter Umständen viel Geld investieren. Das Haus muss bei einer Veränderung seine Stabilität und Struktur beibehalten. Die Entfernung einzelner Balken ist selten möglich. Der Lichteinfall ist ebenfalls eine Herausforderung für den Bauherrn. Die kleinen Fenster der Fachwerkhäuser können nicht durch größere Fenster ersetzt, da diese dem Denkmalschutz widersprechen würde.

Ein historisches Haus oder moderne Handwerkskunst?

Selber bauen oder kaufen? Eine Entscheidung, die nicht leichtfällt. Wer in einer Stadt wohnt, in der viele Fachwerkhäuser erhalten geblieben sind, wird leicht auf dem Immobilienmarkt ein entsprechendes Objekt finden. Dann heißt es, das Haus zu renovieren oder gar von Grund auf zu sanieren. Dabei müssen die Vorgaben des Denkmalschutzes berücksichtigt werden. Im Klartext kann das bedeuten, dass der Bauherr sowohl Abstriche beim Komfort als auch bei der Energieersparnis hinnehmen muss. Die Instandhaltungskosten können ebenfalls enorm sein. Bei einem Neubau können bei der Planung die individuellen Wünsche und Bedürfnisse mit einfließen.

Ein neues Haus in Holzrahmenbauweise gebaut genügt der Energieeffizienz und bietet ausreichend Raum und Licht. Allerdings ist es auch eine Frage, in welcher Umgebung das zukünftige Fachwerkhaus stehen soll. Im Verbund mit konventionell erstellten Einfamilienhäusern in einem Neubaugebiet wird ein modernes Fachwerkhaus gewiss Aufsehen erregen, aber letztendlich deplatziert wirken. Kaufen oder bauen muss demnach wohl überlegt werden. Ein eindeutiges Für oder Wider gibt es nicht.